Leica - Stefan Kundert

Die analogen Kameras von Leica

Die Leica und ihr geschichtlicher Werdegang ist faszinierend und historisch bedeutsam. Eine riesige Vielfalt von Büchern, Webseiten und Museen beschäftigen sich mit der Firmengeschichte und den fotografischen Erzeugnisse von Leica/Leitz aus Wetzlar, Deutschland. Nachfolgend eine kleine Auflistung von ein paar interessanten Leica-Produkten aus vergangener Zeit.

Leica I (A) mit Elmar (1925 bis 1930)

Die Leica I, erste Modellvariante "A", wurde erstmals auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1925 vorgestellt und ermöglichte damit der Kleinbildfotografie mit 35-mm-Film (24 mm × 36 mm-Kleinbildformat) den Durchbruch. Ihr handlichen Abmessungen revolutionierte die Fotografie und wurde rasch von professionellen Fotografen (zum Beispiel für Fotoreportagen) als von Amateuren gerne angenommen. Die Idee "Kleines Negativ - grosses Bild" vom Erfinder Oskar Barnack der Leica Kamera hat die Fototechnik bis heute nachhaltig geprägt.

Zur abgebildeten Kamera:
Baujahr: 1928, Ausführung: schwarz lackiert, Objektiv (nicht auswechselbar): Elmar 50 mm f 3.5, Serienummer: 9131, Stückzahl: 7'069.

Leica I (A) mit Hektor (1930 bis 1931)

Eine seltenere Variation mit dem schnelleren Objektiv "Hektor" mit der damals revolutionären Lichtstärke von 2.5 wurde in kleinen Auflagen hergestellt.

Zur abgebildeten Kamera:
Baujahr: 1930, Ausführung: schwarz lackiert, Objektiv (nicht auswechselbar): Hektor 50 mm f 2.5, Serienummer: 49209, Stückzahl: 740.

Leica IIIg (1957 bis 1967)

Die Leica IIIg war die letzte der sogenannten Schraubleica-Modellen, deren Objektive mit einem Gewinde mit dem Kameragehäuse verbunden und deshalb auswechselbar war. Die dritte Generation der Leitz Kamera zeichnete sich durch zahlreiche Produktverbesserungen aus, die sich sowohl in der Handhabung als auch in der Qualität der damit erzeugten Bilder auszeichneten. Kürzere Verschlusszeiten bis 1/1000 Sekunde, eingebauter, aber noch nicht mit dem Objektiv gekoppelter Entfernungsmesser, vergrösserter Sucher anstelle der stark verkleinernden Fernrohrsucher, im Sucher eingespiegelte Leuchtrahmen oder heutige Selbstverständlichkeiten wie Ösen am Kameragehäuse für einen Traggurt waren zur damaligen Zeit bedeutende, technische Errungenschaften. Interessanterweise war das Modell "g" eigentlich einen Rückschritt gegenüber dem ersten Modell der M-Reihe (Leica M3), die bereits 1954 auf den Markt kam. Wahrscheinlich wollte man die Besitzer von Objektiven mit Schraubgewinde nicht vergraulen, da die neue M-Reihe über einen, zu den alten Objektiven nicht kompatiblen Bajonett-Verschluss verfügten.

Zur abgebildeten Kamera:
Baujahr: 1958, Ausführung: Silber verchromt, Serienummer: 933397, Stückzahl: 9'752. Objektiv: Elmar 50 mm f 3.5.

Leica M3 (1954 bis 1966)

Das prägende Merkmal der ab 1954 und bis heute hergestellte Leica M-Reihe ist der Messsucher mit je nach angesetztem Objektiv unterschiedliche Leuchtrahmen und dem Entfernungsmesserbild, das in den Sucher eingespiegelt ist. Historisch ebenso bedeutend und bis heute für alle Kamerasysteme mit Wechselobjektiven ist der Bajonett-Verschluss, mit dem auswechselbare Objekte schnell und mit hoher Präzision am Kameragehäuse befestigt werden. Der M3, dem ersten Modell der M-Reihe war für die damalige Zeit ein riesiger Erfolg beschieden. Es wurden bis 1966 rund 227'000 Exemplare hergestellt und verkauft. Die M3 war die Kamera für Fotojournalisten und Reiseberichterstatter die Kamera schlechthin. Ihre kompakte Bauweise, ihre Robustheit, sowie der für die damalige Zeit unvergleichbare technische Stand machte die Firma Leitz aus Wetzlar zum weltweit bedeutendsten Kamerahersteller jener Zeit.

Zur abgebildeten Kamera:
Baujahr: 1961, Ausführung: Silber verchromt, Serienummer: 1025754, Stückzahl: 13'101. Objektiv: Leica Summilux-M 50 mm f 1.4 (1962).

Leica M2 (1958 bis 1967)

Aufgrund des geänderten Suchersystems mit der Bildfeldmarkierung, neben 50 und 90 mm neu auch für die inzwischen beliebten 35mm Objektive erfreute sich die Leica M2 zunehmender Beliebtheit bei Berufsfotografen. Von 1958 bis 1967 wurden über 75'000 Exemplare hergestellt. Wie schon bei der Leica M3 war auch hier der Wunsch der professionell tätigen Fotografen nach einem unauffälligen, schwarz lackierten Gehäuse gross. Die Leica M2 wurde ab 1958 in sehr geringen Stückzahlen (1'871 Stück) in schwarz lackierter Ausführung, welche auf einem Gehäuse aus Messing basierte, gefertigt. Heute sind alle original schwarz lackierten Kameras der M-Reihe aufgrund ihrer geringen Stückzahlen sehr gesucht und erzielen auf dem Sammlermarkt, insbesondere in Asien, hohe Preise.

Zur abgebildeten Kamera:
Baujahr: 1964, Ausführung: schwarz lackiert (original), Serienummer: 1093527, Stückzahl: 250. Objektiv: Leica Summicron-M 50 mm f 2 schwarz lackiert (1962).

Leica MD mit Visoflex I (Bajonett-Version: 1955 bis 1959)

Das Visoflex ist ein Spiegelkasten von Leica, das an den M-Modellen von Leica angebracht werden kann. In den Brennweiten unter 28 mm und über 135 mm ist das Messsuchersysten der Leica M nicht mehr zu gebrauchen. Leica hat es deshalb das Visoflex für die Verwendung der M-Modelle im Nah- und Telebereich entwickelt. Das Visoflex, das es in drei Entwicklungsstufen gab (Visoflex I, II, III), ist nichts anderes als ein Spiegelkasten mit Prisma, das die Sicht des Fotografen durch das Objektiv ermöglicht. Sobald auf den Auslöser gedrückt wird, klappt der Spiegel analog einer Spiegelreflexkamera hoch und ermöglicht dadurch, dass das vom Objektiv eingefangene Licht zum lichtempfindlichen Film gelangen kann. Verglichen mit den damals aufkommenden Spiegelreflex-Kameras der Wettbewerber ist die Kombination Leica M mit Visoflexansatz etwas unhandlich und kompliziert, jedoch funktional. In dieser Kombination ist der eingebaute und technisch aufwendige Messsucher unnötig. Deshalb hat Leica das Modell MD (später MD-2) entwickelt, das auf das Messsuchersystem verzichtet.

Zum abgebildeten Kamerasystem:
Leica MD: Baujahr: 1966, Ausführung: Silber verchromt, Serienummer: 1141094, Stückzahl: 2'016. Visoflex I, Bajonett-Version: Baujahr: Zwischen 1952 und 1962, Stückzahl: 32'369. Telyt-V 400 mm f 5.0 (1961). Einstelllupe mit 45 Grad Einblick. Doppeldrahtauslöser.

Leica M4-2 (1978 bis 1980)

Nachdem der Verkauf der Leica M5 weit unter den Erwartungen blieb und ein wirtschaftlicher Misserfolg darstellte, wurde erstmalig die Fertigung der Leica M Modellreihe 1975 aus wirtschaftlichen Gründen komplett eingestellt. Man wollte sich ausschliesslich auf die Entwicklung der neuen Modellreihe M5, erstmals mit integriertem Belichtungsmesser, konzentrieren. Walter Kluck, Leiter der kanadischen Leitz-Niederlassung in Midland, überzeugte die Leitz Firmenleitung eine abgespeckte Version der M4 (zum Beispiel fehlender Selbstauslöser) und unter günstigeren Produktionsbedingungen in Kanada weiter zu produzieren. Das Modell hiess M4-2 (Made in Canada). In nur zwei Jahren wurden über 17'000 Kameras produziert und verkauft, davon 16'000 schwarz verchromter und etwa 1'000 in vergoldeter Ausführung. Völlig zu Unrecht gelten die aus kanadischer Fertigung stammenden Leica Kameras als qualitativ den Kameras aus deutscher Fertigung qualitativ nicht ebenbürtig.

Zur abgebildeten Kamera:
Baujahr: 1980, Ausführung: schwarz verchromt, Serienummer: 1531807, Stückzahl: 6'150. Objektiv: Leica Summilux-M 35 mm f 1.4 schwarz (1966).

Leica M6 (1984 bis 1998)

Die Leica M6 war ein ganz grosser Wurf. Erstmals gelang die Integration einer TTL-Belichtungsmessung (TTL = True The Lens) in das Gehäuse einer Leica M4. Ein weisser Punkt auf dem vorderen Verschlussvorhang reflektiert das einfallende Licht auf eine Messzelle unter dem Bajonettring. Die korrekte Belichtung wird durch zwei Leuchtdioden im Sucher manuell eingestellt. Mit der Vergrösserung von 0.72 im Sucher, eingespiegelte Leuchtrahmen für 28, 35, 50, 75, 90 und 135 mm Brennweiten und Verschlusszeiten von 1 bis 1/1'000 Sekunden entsprechen die wesentlichen technischen Eigenschaften heutiger analoger M-Modelle. Die M6 war in schwarzer und silberner Chromausführung erhältlich. Neben dem technischen Quantensprung war die Kamera im Verkauf äussert erfolgreich. Während 14 Jaren wurden über 130'000 Stück produziert.

Zur abgebildeten Kamera:
Baujahr: 1994, Ausführung: Silber verchromt, Serienummer: 2009550, Stückzahl: 8'985. Objektiv: Leica Summaron-M 28 mm f 5.6 Silber (2017).

Leica MP (2003 bis heute)

Als rein mechanische Alternative zur elektronischen Leica M7 wurde 2003 die Leica MP vorgestellt. Diese entspricht vom Funktionsumfang im Wesentlichen der Leica M6. Eine deutliche Verbesserung gegenüber den Vorgängermodellen ist der neue Sucher, welcher eine zusätzliche Linse sowie für alle optischen Elemente eine Vergütung aufweist. Das Ergebnis ist ein helleres und brillanteres Sucherbild sowie eine bessere Scharfstellmöglichkeit auch unter extrem kritischen Lichtbedingungen wie Seitenlicht oder Kerzenschein. Der Belichtungsmesser ist in der Leica MP das einzige elektronische Bauteil. Die Abmessungen entsprechen exakt der Leica M6.

Zur abgebildeten Kamera:
Baujahr: 2017, Ausführung: A la carte (Leuchtrahmen: 35, 50, 90 mm, , Belederung wie Leica M-A), Silber verchromt, Serienummer: 4697971. Objektiv: Leica Summicron-M 35 mm f 2.0 Silber (2016).

Leica M-A (2014 bis heute)

Im September 2014 kündigte Leica eine neue analoge Kamera der M-Familie, die Leica M-A an. Damit ist Leica weltweit der einzige Kamerahersteller, der noch neue analoge Fotokameras herstellt und auf den Markt bringt. Mit einer rein mechanischen Kamera, die keine elektrische Energie in Form von Akku oder Batterie benötigt, besinnt sich Leica auf den Ursprung der M Kameras, der Leica M3 von 1954 zurück. Die Leica M-A verfügt über keinen Belichtungsmesser und reduziert damit die Funktionalitäten auf das absolut Notwendigste wie Bildgestaltung, Blenden- und Verschlusszeiteinstellung und Fokussierung. Die Leica M-A wird noch in fünfzig Jahre seinen Dienst verrichten wird. Weder Bildsensor, Bildschirm noch andere elektronische Bauteile können die Lebensdauer dieser Kamera begrenzen. Solange Filme in Kleinbildformat verfügbar bleiben, wird diese Leica-Kamera Bilder in höchster Qualität produzieren und damit das analoge Fotozeitalter am Leben erhalten.

Zur abgebildeten Kamera:
Baujahr: 2015, Silber verchromt, Serienummer: 4915772. Objektiv: Leica Summicron-M 35 mm f 2.0 Silber (2016).

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