Analogfotografie im Trend - Stefan Kundert

Analogfotografie im Trend

Die Digitalisierung verändert unser Leben sowohl in der Arbeitswelt als auch im privaten Umfeld im stärker und immer schneller. Die Menschen begrüssen diesen Wandel mehrheitlich, erleichtert es doch den Alltag in vielen Dingen erheblich. So hat auch die digitale Fotografie zu Beginn des neuen Jahrtausends die Analogfotografie (fast) komplett verdrängt und zu einer fundamentalen Änderung in der Branche geführt. Zahlreiche traditionsreiche Kamera- und Fotofilmhersteller, allen voran der Weltmarktführer Eastman Kodak Company, wurden Opfer der digitalen Fotografie. Heute fotografieren (fast) alle Menschen ausschliesslich mit Smartphones, wenige mit digitalen Spiegelreflex- oder Systemkameras.

Die digitale Vergangenheit hat schon begonnen.

Knips, Knips, Knips. Bilder aus dem Smartphone - für den Moment und ohne Belang. Speicher voll, Speicher gelöscht, Fotos weg. Vorher noch kurz auf Instragram oder Facebook geteilt. Das Leben spielt heute vor den Bildschirmen der PCs, der Tablets und der Smartphones ab. Das Greifbare wird auf den digitalen Bildschirm verbannt. Je stärker das Leben durch die Digitalisierung durchdringt wird, je mehr Menschen vermissen das Gegenständliche, das Greifbare oder anders ausgedrückt die analoge Welt. Vordergründig unerklärlich kaufen immer mehr Menschen wieder Plattenspieler, auf denen sie aktuelle Musik auf Langspielplatten aus Vinyl konsumieren. Das Angebot an neuen Plattenspieler ist inzwischen riesig.

Zunehmend entdecken passionierte Hobbyfotografen oder Professionelle die Analogfotografie mit Leica & Co. neu. Denn sie ermöglicht, sich von der digitalen Bilderflut und der Knipserei zu befreien. Inhaltlich wertvolle (analoge) Bilder erfordert Kenntnisse über die Grundlagen der Fotografie, ein fotografisches Auge und viel Übung und Erfahrung. Pro Film stehen "nur" 36 Aufnahmen oder Chancen zur Verfügung, um für sich, für andere oder für die Nachwelt wertvolle Bilder entstehen zu lassen. Nachträgliche Bildbearbeitung geht nicht. Eine wachsende Zahl von Fotografen kehrt der Digitalfotografie, zumindest zeitweilig, den Rücken und widmet sich zunehmend der analogen Fotografie. Gerade die jüngere Generation, die die Analogfotografie gar nicht mehr selber erlebt hat, erfreut sich dieser zunehmend. Die Schwarz-Weiss Filme sind voll im Trend und das Angebot riesig. Das Angebot an Farbfilmen ist noch überschaubar, und Dia Filme sind erst wenige wieder erhältlich.

Mein analoges Fotoerlebnis

Mein Sohn erwarb vor ein paar Jahren eine hervorragend erhaltene Leica IIIg aus dem Jahre 1958 und nutzt sie gelegentlich voller Freude und entwickelt die Schwarz-Weiss Negative sogar selbst. Durch ihn wurden in mir Erinnerungen an die Zeit vor der Digitalfotografie wieder wach. Gedanklich liessen mich die wunderbaren Fotoerlebnisse aus den Jahren vor 2005 nicht mehr los, als man noch einen Negativ- und in meinem Falle vor allem Dia Filme in die Kamera einlegte. Man musste sich damals genau überlegen, wann auf den Auslöser zu drücken, denn nach nur 24 oder 36 Klicks war der Spass mit dem eingelegten Film vorbei. Das analoge Fotografieren war ein teures Vergnügen, denn ein 36er Film kostete ca. 5 Franken und die Entwicklung der Negative und Abzüge gut und gern nochmals einen Franken pro Bild. Das Warten auf die entwickelten Negative und Abzüge aus dem nahegelegenen Fotogeschäft wurde zur Geduldsprobe. Umso grösser war die Freude, wenn man anschliessend ein paar gute Bilder ins Fotoalbum kleben oder über einen Diaprojektor in Grossformat an die Wand projizieren konnte.

Dia-/Umkehrfilme

Meine Leidenschaft bei der Analogfotografie gehört nach wie vor den Diafilmen. Das leider sehr überschaubare Sortiment an Diafilmen hat im Jahr 2018 zwei Änderungen erfahren. Die Produktion des von mir häufig verwendete Agfa Precisa CT 100 wurde eingestellt und ist nicht mehr erhältlich. Höchstwahrscheinlich handelte es sich bei diesem Film schon lange nicht mehr um einen originalen Agfa-Diafilm, sondern um einen als Agfa gelabelten Fuji Provia 100F.

Vor zwei Jahren kündigte Kodak völlig überraschend die Wiederaufnahme der Produktion des legendären Kodak Ektachrome E100 an. Als viele Fachleute schon nicht mehr daran glaubten, startete der Verkauf dieses beliebten Diafilms im November 2018. Er zeichnet sich durch eine neutrale Farbwiedergabe aus. Der Fujifilm Provia weist gegenüber dem Kodak Ektachrome einen leicht rötlichen Farbstich aus. 

Aktuell sind folgende Farbdiafilme im Kleinbildformat (36 x 24 mm) erhältlich:

  • Fujifilm Fujichrome Provia 100 F
  • Fujifilm Fujichrome Velvia 50
  • Fujifilm Fujichrome Velvia 100
  • Kodak Ektachrome E100

Zurzeit ist der Kodak Ektrachrome E100, Farbfilm, und der Adox Scala 160 BW, Schwarz-Weiss Film, meine Favoriten.

Die aktuellen Analogkameras von Leica

Noch immer bietet Leica, als weltweit einzig verbliebener Hersteller von analogen Kleinbildkameras, zwei aktuelle Modelle analoger Kleinbildkameras an:

  • die Leica MP (ab 2003)
  • die Leica M-A (ab 2014)

Für mich völlig unverständlich, dass nicht schon weitere Kamerahersteller die Zeichen der Zeit erkannt haben und neue analoge Kameramodelle auf den Markt bringen. Die Entwicklungen für Analogkameras sind ja längst gemacht und die teuren Bildsensoren fallen ja vollständig weg.

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